Neurozentriertes Training (auch Neuroathletik-Training genannt) basiert auf aktuellen Erkenntnissen der Neurophysiologie und stützt sich wissenschaftlich auf den Ansatz moderner Schmerz- und Bewegungsforschung, wie sie beispielsweise von Lorimer Moseley geprägt wird.
Unser Nervensystem bewertet ständig, ob eine Bewegung sicher oder potenziell gefährlich ist. Grundlage dieser Bewertung sind Informationen aus verschiedenen sensorischen Systemen, insbesondere aus:

  • dem visuellen System (Augen)

  • dem Gleichgewichtssystem (Vestibularsystem)

  • den Rezeptoren in Muskeln, Faszien und Gelenken

Wenn diese Informationen unklar, widersprüchlich oder eingeschränkt sind, kann das Gehirn eine Bewegung als unsicher interpretieren. Als Schutzreaktion entstehen häufig:

  • Schmerz

  • eingeschränkte Beweglichkeit

  • verminderte Kraft

  • erhöhte Muskelspannung

Diese Reaktionen sind keine Fehlfunktion, sondern ein Schutzmechanismus des Nervensystems.

Integration in der Physiotherapie

Hier setzt das neurozentrierte Training an. Durch gezielte Übungen für Augen, Gleichgewichtssystem, Atmung und Körperwahrnehmung wird die Qualität der sensorischen Informationen verbessert, die das Gehirn erhält.

Dank der Neuroplastizität – der Fähigkeit des Nervensystems, sich lebenslang anzupassen – kann das Gehirn neue, effizientere Bewegungsmuster lernen und alte Schutzprogramme verändern.

Wirkung

Verbessert sich die Wahrnehmung und damit das Sicherheitsgefühl des Nervensystems, können sich auch körperliche Funktionen verändern:

  • Schmerzen nehmen ab

  • Beweglichkeit verbessert sich

  • Kraft steigert sich

  • Bewegungen werden koordinierter und effizienter

Neurozentriertes Training nutzt also gezielt die Anpassungsfähigkeit des Gehirns, um Bewegung, Leistungsfähigkeit und Gesundheit nachhaltig zu beeinflussen.